Der VPP konnte die QM-Expertin Beatrice Piechotta, die sich seit vielen Jahren mit Qualitätsmanagement (QM) für die psychotherapeutische Praxis befasst, zur Zusammenarbeit gewinnen: In Berlin fand Anfang Februar ein erstes Seminar mit 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Berlin und anderen Bundesländern statt.
Nach einer Erläuterung der Begrifflichkeiten „Qualität“ und „Qualitätsmanagement“ wurde eingangs ein Überblick über verschiedene QM-Systeme gegeben. Im Mittelpunkt des Seminars standen aber Prozesse der psychotherapeutischen Praxis. In Kleingruppen wurden die jeweiligen Praxis-Abläufe idealtypisch und mit den möglichen Fehlerquellen beschrieben. So konnten die Teilnehmer erfahren, wie sie die Anforderungen der QM-Richtlinie erfüllen und für sich und ihre Patientnnen und Patienten gewinnbringend nutzen können.
Und zwar sehr konkret, zum Beispiel an der Frage, wie die Anforderung „Patientenbefragung“ in
der psychotherapeutischen Praxis umgesetzt werden soll. Es wurde deutlich, dass
verschiedene andere Vorschriften wie Datenschutz und Schweigepflicht immer wieder
berührt werden. Diskussionsbedarf entstand hinsichtlich der Standards,
die für berufspolitisch angemessen gehalten werden und vertretbar sind.
Als besonders
gewinnbringend wurde erlebt, dass die TN voneinander lernen
konnten, dass man Gewohnheiten nochmal genauer anschaut und dabei
doch Fehlerquellen oder Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt.
Ergebnisse, die vielleicht eher unerwartet waren, waren z.B., dass man die
"Mitarbeiterorientierung" auch auf sich selbst anwenden kann und vielleicht
sogar sollte, und sich bei einigen TN die Notwendigkeit der Auffrischung von
Erste-Hilfe-Kenntnissen herausstellte!
Natürlich war auch Raum für Überlegungen, wie diese zusätzlichen
Anforderungen zeitlich in den Berufsalltag eingeschoben werden können. Ärger über
noch mehr Bürokratie seitens der KV wurde ebenfalls laut. Abschließend
wurden die erarbeiteten Ablaufbeschreibungen von der Seminarleiterin zusammengefasst
und zur Verfügung gestellt, genauso wie ein QM-Musterhandbuch mit geeigneten
Formularvorschlägen für die Dokumentation.
Die Arbeit und die Diskussion wird fortgesetzt werden: 14 Teilnehmer haben sich zu einem Qualitätszirkel zusammengefunden, in dem weiter an QM-Instrumenten für die psychotherapeutische Praxis gearbeitet und auch die Diskussion über erwünschte Standards und Inhalte von QM fortgeführt werden sollen.
Der VPP hält es für wichtig, dass die Psychotherapeuten die Gestaltungsspielräume, die die Richtlinie läßt, selbst nutzen und füllen. Dieses Seminar und der Qualitätsirkel sind ein Anfang. Weitere Seminare sollen auch in anderen Regionen angeboten werden, nähere Informationen sind über den jeweiligenLandesfachverband oder Landesvertreter des VPP zu erhalten.
Eva Schweitzer-Köhn
Sellvertretende
Bundesvorsitzende des VPP im BDP
14.2.2006