BDP Startseite

Service

Kontakt

Pressemitteilungen

Honorarwiderspruch

VPP Newsletter

Interaktive Mailingliste

Fortbildungen

Praxisbörse für Mitglieder

Jobbörsen

Mitgliedschaft im BDP

Login für den Mitgliederbereich

Twitter

 

Stationäre Psychotherapie als Akutbehandlung

VPP: Stationäre Psychotherapie als Akutbehandlung kann auch in der Verantwortung von Psychotherapeuten liegen

"Ähnlich wie im Bereich der ambulanten Psychotherapie bereits vollzogen, sind Psychotherapeuten im Bereich stationärer Psychotherapie den Fachärzten gleich zu stellen", fordert Hans Werner Stecker, Vorstandsmitglied und Vertreter der angestellten Psychotherapeuten im VPP.
Leider wird nach seinen Worten die psychotherapeutische Verantwortlichkeit in der Regel "übersehen". Vielmehr wird in Vorträgen und Stellungnahmen betont, die ärztliche Verantwortung und Dominanz in der Behandlung müsse im Krankenhaus an jeder Stelle zum Ausdruck kommen, damit die Leistung des Krankenhauses von den Kassen anerkannt werde. Dabei wird diese Argumentation gestützt durch richterliche Entscheidungen, die vor der Einführung des Psychotherapeutengesetzes gefällt wurden. Die jetzt neu geschaffene Rechtslage wird dabei gerne außer Acht gelassen.

Dies gilt in gleicher Weise für Gesetzesänderungen und Verordnungen wie z.B. das Krankenhausgesetz Berlin oder die vom Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen beschlossenen Krankenhausbehandlungsrichtlinien. Der Begriff "Krankenhausbehandlung" ist z.B. im §107, SGB V, gebunden an: Ärztliche Leitung, ständige ärztliche und pflegerische Präsenz, dichtes therapeutisches Angebot aus vorwiegend ärztlicher und pflegerischer Tätigkeit. Nur aus dem §72 zur Sicherstellung der vertragsärztlichen und vertragszahnärztlichen Versorgung im gleichen Kapitel des SGB V erschließe sich, dass mit dem Begriff "Ärzte" in § 107 auch Psychotherapeuten gemeint sind.

Stecker sieht folgende Zielvorstellungen für die gleichberechtigte Arbeit von Psychotherapeuten und Ärzten in der stationären Psychotherapie, für die sich auch der VPP insgesamt einsetzen wird:

1. Die heutige Gültigkeit der Entscheidungen der Sozialgerichtsbarkeit zu Fragen der Psychotherapie aus der Zeit vor dem PsychThG ist sicher sehr in Frage zu stellen. Vor Einführung des PsychThG wurde Psychotherapie noch quasi als Heilmittel definiert, vergleichbar der Ergotherapie. Nach § 27 SGB V ist Psychotherapie heute als Krankenbehandlung Teil der ärztlich-psychotherapeutischen Behandlung. Dementsprechend kann die Argumentation nicht mehr gelten, eine Behandlung als Reha-Behandlung zu definieren, wenn der Schwerpunkt auf der ("nicht-ärztlichen") psychotherapeutischen Behandlung liegt. Heute kann folglich eine Behandlung auch dann als Akut- oder Krankenhausbehandlung definiert werden, wenn Psychotherapie den Schwerpunkt der Behandlung darstellt.

2. Häufig wird behauptet, in der Psychotherapie bei affektiven und schizophrenen Störungen handele es sich nicht um eine ursächliche Behandlung, sondern um eine Behandlung der Krankheitsfolgen oder um eine Hilfestellung zum Umgang mit der Erkrankung. Folglich sei Psychotherapie im Bereich der Reha-Behandlung anzusiedeln. Die Entwicklung der Behandlungsleitlinien der affektiven und schizophrenen Störungen hebt zunehmend die Bedeutung der psychischen Aspekte der Krankheitsgenese hervor (Depression: Kompetenznetz Depression; Schizophrenie: Bisher noch nicht veröffentlichte Behandlungsleitlinien der DGPPN). Wenn man das Vulnerabilitäts-Stress-Modell als ursächlich für die Entwicklung von schizophrenen und affektiven Störungen zugrunde legt, lässt sich z.B. die Reduktion von Stress mit psychologischen Mitteln als eine ursächliche Behandlung verstehen (eine ausführliche Darstellung der Behandlung depressiver Störungen mit vielen Folien zur Gruppentherapie ist zu finden in den Internetseiten von Stecker unter www.hwstecker.de/praxis). Die stationäre Behandlung mit Mitteln der Psychotherapie kann demnach auch eine "unmittelbare Behandlung der Krankheitssymptome" (= Krankenhausbehandlung) darstellen.

Demnach spräche nichts dagegen, z.B. die stationäre Behandlung einer schizophrenen Störung auch nach Abschluss der "medikamentösen Einstellung" mit den Mitteln der Psychotherapie als Krankenhausbehandlung fortzuführen, wenn Gründe dafür sprechen, dies im stationären Rahmen zu tun und nicht ambulant. Es wäre demnach - auf den Punkt gebracht - nicht notwendig, Medikamente zu ändern, um Krankenhausbehandlung zu rechtfertigen, wenn stattdessen ein intensive und begründbare psychotherapeutische Behandlung stattfindet.

3. Wenn eine Krankenhausbehandlung psychischer Störungen primär mit den Mitteln der Psychotherapie erfolgen kann, sollte der Begriff "ärztlich" auch in der Krankenhausbehandlung synonym verstanden werden mit "psychotherapeutisch", ähnlich wie im § 72 SGB V für die vertragsärztliche Versorgung formuliert. Dies würde bedeuten, das Kriterium für eine Krankenhausbehandlung ist u.a. erfüllt, wenn die Behandlung eine intensive und ständige ärztliche oder psychotherapeutische Präsenz erfordert. Dementsprechend wäre für die Kostenanerkenntnis der Kassen entscheidend eine entsprechende ärztliche oder psychotherapeutische Dokumentation der Behandlung und ihrer Notwendigkeit.

Es ist vielleicht verständlich, wenn diese Sichtweise in den Krankenhausbehandlungs-Richtlinien von 2003 noch keine Berücksichtigung fand, denn stationäre Psychotherapie ist bezogen auf alle Krankenhausbehandlungen sicher kein zentrales Element und steht in der Ärzteschaft nicht gerade im Vordergrund. Ein Anpassung an die neuen Verhältnisse wäre aber zu wünschen. Zum Beispiel in dem Sinne, dass Spezialstationen für depressive oder schizophrene Erkrankungen von Psychotherapeuten geleitet werden könnten.

Wir möchten auf diesem Wege unsere Mitglieder aufrufen, die Diskussionen zu dieser Thematik kritisch zu verfolgen und die hier dargestellte Argumentation mit einzubringen. Wir sind angewiesen auf Ihre Erfahrungen und Informationen vor Ort. Berichten Sie uns durch eine Mail an info@vpp.org. Gerne richten wir für Interessierte an diesem Thema eine Mailingliste ein.

Impressum