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Psychotherapeuten bei ver.di

Die Bundesfachkommission PP/KJP von ver.di trat am 10./11.November in neuer Zusammensetzung zusammen und hat sich neu konstituiert. Im Vordergrund standen folgende Themen:

Ausbildung in Psychotherapie
Die Fachkommission von ver.di hat sich in der Vergangenheit bereits intensiv mit dem Thema Ausbildung auseinander gesetzt und fordert insbesondere eine Vergütung für Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) während ihrer praktischen Tätigkeit. Diese Forderung wurde jetzt in ersten Gesprächen mit Arbeitgebern angesprochen. Unter dem Aspekt der Durchsetzbarkeit wird u. a. die Möglichkeit präferiert, den bestehenden Tarifvertrag für Praktikanten (TVPrakt) zu erweitern und damit für PiA eine angemessene Vergütung mit Bezug zu ihrem Herkunftsberuf zu erreichen. Es wurde ein Muster-Vertrag für PiA ausgearbeitet und vorgestellt. Bemängelt wurde, dass sich die Personalräte in vielen Kliniken bisher nicht verantwortlich gefühlt haben. Als sehr kritisch wird gesehen, dass Kliniken mit den PiA „billige Arbeitskräfte“ einkaufen und damit unbefristete Stellen für Psychologen und Psychotherapeuten umgewidmet werden in befristete „Ausbildungsstellen“. Ein Aufruf mit konkreten Handlungsvorschlägen für Personalräte soll in dieser Richtung sensibilisieren und für Änderung sorgen. 

Darüber hinaus beteiligt sich ver.di auch an der aktuellen Diskussion zur Vorbereitung auf das anstehende Forschungsgutachten zur Psychotherapeutenausbildung. In der FK wurde das Konzept von Gröger diskutiert, welches eine Fortschreibung und Konkretisierung der Konzeption darstellt, die im VPP mit der Forderung nach einem Systemwechsel entwickelt wurde (siehe http://bdp-vpp.de/meldungen/05/51207_systemwechsel.html). Hervorzuheben sind hier:

Dieses Konzept weist einige Implikationen und kritische Punkte auf, die künftig noch eingehender zu diskutieren sind. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, dass die Hochschulen einem spezialisierten Masterabschluss in Psychotherapie eher ablehnend gegenüber stehen und dies kaum durchzusetzen sein wird. Andererseits fordert der Bologna-Prozess genau diese spezialisierten und auf die Berufsausübung bezogenen Abschlüsse.
Eine weitere Hürde besteht darin, das Studium so zu konzipieren, dass mit dem Masterabschluss die Bedingungen einer Approbation erfüllt sind. Diese wäre dann vergleichbar mit der ärztlichen Approbation nach Abschluss des Medizinstudiums. Die mit der ärztlichen Approbation verbundene grundsätzliche Therapiefreiheit entbindet den Arzt jedoch nicht von seinen Sorgfaltspflichten. Das Verschuldensprinzip gibt dem Arzt nur so lange Handlungsfreiheit, wie er den Sorgfaltspflichten seines Berufs – und hier insbesondere  dem Facharztstandard – genügt. Gegenwärtig sind die Psychotherapeuten mit ihrer Approbation den Fachärzten gleich gestellt und erfüllen mit ihrer Tätigkeit den Facharztstandard. Ähnlich wie in der Ausbildung der Ärzte würde der oben skizzierte Systemwechsel bedeuten, dass Psychotherapeuten den Facharztstandard erst noch durch eine Weiterbildung (entsprechend der jetzigen Ausbildung) erreichen müssen. Auch das wäre in seiner Konsequenz zu diskutieren.

Krankenhausfinanzierung
Die Aktion „Der Deckel muss weg“ hat mit dazu beigetragen, dass die Bundesregierung jetzt den Entwurf für ein Krankenhausfinanzierungsreformgesetz (KHRG) vorgelegt hat, das noch in diesem Jahr beschlossen werden soll. Ver.di wird auch die weitere Entwicklung verfolgen und fordert gegenwärtig insbesondere, dass die Personalverordnung Psychiatrie (PsychPV) als  Grundlage der im Gesetz für die Psychiatrie vorgesehenen Tagespauschalen zu 100%. erfüllt wird. Die Politik hält derzeit eine Erfüllung von 90% für ausreichend. Seitens der FK wurde diese Forderung von ver.di zwar sehr begrüßt, zugleich aber angemahnt, dass es dabei nicht bleiben darf. Die PsychPV wurde so konzipiert, dass Psychologen eher für den Bereich der Diagnostik eingeplant wurden und die Behandlung den Ärzten vorbehalten ist.

Psychotherapeuten kommen in der PsychPV noch nicht vor und sind dem entsprechend als eigenständige Behandler mit einzuarbeiten. Im Weiteren zeigt die aktuelle Praxis in der Psychiatrie, dass Patienten in der Regel nicht in den Bereich „Psychotherapie“ eingestuft werden, der eine entsprechende Personalbemessung im ärztlichen und psychotherapeutischen Bereich nach sich zieht. Mit Blick auf die aktuellen Versorgungsleitlinien, in denen Psychotherapie als Bestandteil der Behandlung ausdrücklich gefordert wird, ist diese Praxis zu ändern. Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass sich die Behandlungskonzepte im Bereich psychischer Störungen seit Einführung der PsychPV erheblich geändert haben. So sind die Gründerväter der PsychPV z.B. noch davon ausgegangen, dass Psychosen einer psychotherapeutischen Behandlung kaum zugänglich sind und dass es in der Gerontopsychiatrie im Wesentlichen um die Behandlung dementieller Erkrankungen geht.

Der Versorgungsaspekt stand im Vordergrund und führte zu entsprechender Personalbemessung. Bei der Definition der künftigen Pauschalen wird es wichtig sein, ein neues Verständnis psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung mit einfließen lassen.

Auf weitere notwendige Forderungen hat der VPP im BDP unlängst hingewiesen.

Entgeltordnung
Nach wie vor wird von ver.di die Forderung nach einer Eingruppierung der Psychotherapeuten in die Entgeltgruppe 15 vertreten. Dies wurde von der FK noch einmal bekräftigt. Gerd Dielmann berichtete, dass ver.di den Arbeitgebern ein fertiges Konzept für eine neue Entgeltordnung vorgestellt habe. Gegenwärtig seien die Arbeitgeber jedoch nicht bereit, dieses Konzept zu diskutieren. Die FK fasste einen Beschluss, in dem sie die Bundestarifkommission auffordert, für die neuen Berufe der Psychotherapeuten nachdrücklich und schnell eine Lösung zu suchen. Wie auch für viele andere neue Berufe gibt es bisher keine einheitlichen Regelungen für die Eingruppierung von Psychotherapeuten. Damit sind der Willkür der Arbeitgeber Tür und Tor geöffnet. Gegenwärtig zeigt sich in zahlreichen Kliniken, dass der Unmut der Psychotherapeuten wächst und viele von ihnen bereit sind, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Hans-Werner Stecker
Mitglied im Vorstand des VPP

Im aktuellen Heft 03, November 2008, der Mitgliederzeitschrift „VPP aktuell“ (PDF) benennt der VPP im BDP Rahmenbedingungen für die psychotherapeutische Tätigkeit im Krankenhaus unter Maßgabe des KHRG-Gesetzentwurfs (S. 5ff) und äußert sich zur Zukunft der Psychotherapieausbildung (S.8f).

16.11.2008

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